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Eisi Eisinger's Tagebuch #1 PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von lXg.   
Tuesday, 29. April 2008

Liebes Eisvogeltagebuch,

 manchmal glaube ich daß der Europäische Kingfisher nur erfunden wurde um arme Naturfotografen zu ärgern.

Seit einigen Monaten bin ich in sehr unregelmässigen Abständen der lokalen Population der Alcedo atthis (Eisvogel) hinterher. Ich habe mittlerweile so viele Tage und Stunden mit der Suche nach ihnen verbracht daß ich glaube der wohl erfolgloseste Eisvogelknipser der Republik zu sein.

Beauty

Gut, kumuliert mag ich insgesamt vielleicht so 14 Tage hier an meinem neuen Wohnort in Niedersachsen investiert haben, davon habe ich ihn unzählige Male zumindest eindeutig gehört, drei Male einen vorbeizischen gesehen, einmal sogar Bilder von einem Weibchen gemacht und ansonsten mit dem Ofenrohr ins hier nicht vorhandene Gebirge geguckt.

Da die Beschreibungen des Weges zu guten, nicht gestellten Eisvogelfotos im web eher selten sind mache ich meine Not zur Tugend und beginne nun mein Eisvogeltagebuch, the Niedersachsen-Edition. Ich habe ja durchaus schon Eisvögel vor die Linse bekommen wie man auf der imagone.de nachkontrollieren kann, am neuen Wohnort beginnt das Ganze nochmal von vorne, diesmal noch ernster als bisher - der Ehrgeiz hat mich gepackt.

Meine Frage ist: Wie lange braucht ein "guter" Naturfotograf bis er von null anfangend ein brauchbares Eisvogelbild in einer bestimmten Region bekommt. Ich hatte noch nie das Glück daß mir die kleinen Drecksäcke das Leben richtig leicht gemacht hätten, bisher war es einfach ernüchternd bis frustrierend. 

Alles beginnt am Wasser. Hat man einen sauberen Fluss/grösseren Bach in seiner Nähe und ist man auch noch einigermassen in Quellnähe kann man sich gut mal ein paar Stunden hinsetzen und warten. Am einfachsten verrät sich der Eisvogel durch seinen schrillen Pfiff. Ich habe noch keine Regelmässigkeit dazu ausgemacht aber das Gefühl daß Männchen deutlich mehr "Lärm" machen als Weibchen. Oft kommt es mir vor als ob sie wie die Italiener vor scharfen Kurven Laut geben damit alle wissen daß gerade ein Vollgasakrobat angeheizt kommt. Langsam ist nicht für den Eisvogel, es heißt immer Vollgas - mit gut 60 km/h 10cm über die Wasseroberfläche - kein Wunder daß man ihn da selten zu sehen bekommt. Genauso kann es allerdings sein daß er während des Fluges durch sein Revier regelmässig pfeift um Weibchen anzulocken und Konkurrenten zu warnen. Sicher ist jedenfalls daß nicht zu allen Zeiten des Jahres gepfiffen wird - da hat man dann meist eh gar keine Chance einem Eisvogel aufzulauern.

Mir ist bewußt daß ich die Suche auch über seine Nahrung aufziehen könnte, da ich mich mit Fischen nicht besonders gut auskenne und ich Eisvögel auch an so vielen verschiedenen Orten jagen gesehen habe sehe ich darin noch keine Zukunft.

So, zurück zu mir. Ich habe bei der Gartenarbeit in den  letzten Tagen festgestellt daß am Grundstück ca. 5x pro Tag ein Eisvogel lauthals vorbeischießt. So stellte ich mich in Lauerhaltung unter die Bäume am Wasserrand und hatte zwei Tage lang kein Glück. Am dritten jedoch kam er, in der Tat ein Männchen, pfeifend angeschossen und drehte direkt vor mir ab, zog hoch und kreuzte auf diese Art die Straße um die Seeve auf der anderen Seite wieder zu benutzen.

Da er jetzt eben pfeift beschloss ich wieder den Lauf der Seeve hochzugehen bis zu einer Art Kreuzung wo ein Bach einmündet. Da saß ich dann brav im Wind, ließ mich beregnen, beobachtete ein Eichhörnchen beim Ausbuddeln eines Wintervorrates und nach gut 40 Minuten war es soweit, ein, zwei, drei, vier Pfiffe und weg war er wieder.

 Blurfogi

Wenn er alle 5 Sekunden pfeift und währenddessen mit gut 10 m/s dahinschießt hat er in den 20 Sekunden die man ihn hört auch 200m zurückgelegt - das kommt hin. Jedenfalls hat er die Kurve die das Gewässer an der Stelle zieht an der ich saß einfach abgekürzt (das machen sie gerne) und ist über die angrenzende Wiese geschossen. Tja. Satz mit X wieder mal. Da kann man dann auch gut direkt aufstehen und weiterziehen weil er im Normalfall nicht vor 40 Minuten wieder zurückkommt.

Das tat ich dann auch, knipste mich ein wenig durch den Wald und entschied mich dazu den Verlauf des Flusses auf der anderen Straßenseite mal anzusehen. Auf "meiner" Seite bin ich gut drei Kilometer gelaufen und habe meine Hoffnungen in die Umgebung der zwei Fischzuchten die es dort gibt gesetzt. Dort kommt man aber schwer ran und ich hatte auch nur einmal Glück mit dem Weibchen, allerdings eben auch keinen Jagdplatz sondern nur einen der vielen, nicht regelmässig aufgesuchten Ruheplätze.

Auf der "anderen" Seite gibt es für mich das Problem daß ich sehr nahe an den Gutshof komme auf dem ein Gutsherr regiert der nicht wirklich begeistert war als wir uns letztes Jahr auf seinem Grund begegneten - ich kann nur hoffen daß es da keine Probleme gibt. Jedenfalls tapste ich dort herum und war schon wieder auf dem Weg zurück als ich den Ruf hörte - vier, fünf Male hintereinander, von einer Stelle aus was eher ungewöhnlich ist. Vorsichtig bewegte ich mich zum Fluss zurück und sehe ein Männchen aus der Uferböschung heraus starten und sich gute 100m weiter in einen Baum setzen.

Eisi im Baum

Dort ließ er sich dann vier Mal ins Wasser fallen und reinigte sich danach ausführlich was darauf hindeuten könnte daß er dort entweder gerade eine neue Höhle buddelt oder bereits in einer Höhle gebrütet wird denn das Reinigen nach dem Besuch der engen, meist sehr schmutzigen Höhle ist für die Eisvögel lebenswichtig.

Ja. Und nun? Happiness? Ja, teilweise. Ausgerechnet jetzt beginnt gerade wieder eine Produktion für mich, also werde ich wohl zumindest die nächsten zwei Wochen keine Gelegenheit finden dort anzusitzen. Aber ich gebe nicht auf. Irgendwie bin ich vom Eisvogel-Virus befallen. 

Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 29. April 2008 )
 
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